Über Jahre galt es für europäische Länder als erstrebenswert, nicht nur Mitglied der EU, sondern auch der Währungsunion zu sein. Die Finanzmärkte von Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien profitieren nun davon, dass ihre Notenbanken noch nicht unter das Dach der EZB geschlüpft sind. Die Haushaltsorgen in Griechenland, Portugal, Irland und Spanien haben viele Anleger zum Diversifizieren ihrer Assets bewogen und den Euro auf einen Abwärtstrend einschwenken lassen.
Ein Ziel der Kapitalverschiebungen sind die aufstrebenden Volkswirtschaften der EU in Osteuropa. Die Leitindizes der Börsen in Polen (+8%), Tschechien (+11%), Ungarn (+17%) und Rumänien (+30%) haben sich in diesem Jahr wesentlich besser geschlagen als der europäische Durchschnitt. Der Euro-Stoxx-50 verlor sogar rund 1%. Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien sind die einzigen EU-Mitglieder im Osten, die weder den Euro eingeführt noch ihre Landeswährung an die Gemeinschaftswährung gekoppelt haben. Seit über einem Jahr sind Zloty, Forint, Krone und Leu gegenüber dem Euro im Aufwind, und seit der Diskussion um die Probleme der Euro-Schulden-Staaten sorgen die gewachsenen Kapitalzuflüsse für weitere Avancen. Gegenüber der Gemeinschaftswährung hat der Zloty seit Anfang 2009 rund 28% gewonnen, der Forint sowie die Krone legten um 18% bzw. 17% zu. Der Leu weist noch ein Plus von 5% auf.
Jüngst warnte der IMF vor der angsterregenden Perspektive eines anhaltenden Erstarkens der osteuropäischen Lokalwährungen – dies auch vor dem Hintergrund, dass die kleinen Volkswirtschaften stark abhängig von Exporten in den Euro-Raum sind. Die Exportneigung, gemessen am Anteil der Exporte am Bruttoinlandprodukt, lag laut OECD in Tschechien im Jahr 2008 bei 77%, in Ungarn bei 82% und in Polen bei 40%. Haupthandelspartner der drei Länder und auch von Rumänien ist das Euro-Mitglied Deutschland. Dass die osteuropäischen EU-Länder nun mit Handelsnachteilen kämpfen, haben sie ironischerweise eigenen Erfolgen und Anstrengungen zu verdanken. Polen ist als einziges EU-Mitglied während der Weltwirtschaftskrise nicht in eine Rezession gerutscht. Ungarn und Rumänien gerieten zwar in Finanzierungsprobleme, haben aber Hilfe unter Mitarbeit des IMF in Anspruch genommen und befolgen nun einen scharfen Sparkurs, der ihnen im Gegenzug auferlegt wurde. Auch Tschechien hat einen Sparhaushalt beschlossen. Bereits zuvor hatten die Länder grosse Anstrengungen unternommen, um möglichst bald dem Euro-Raum beizutreten.






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