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Furcht vor Grüner Gentechnik unbegründet

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Die Grüne Gentechnik birgt kein höheres Risiko als bisherige Zuchtmethoden. Die Forschungsfeindlichkeit behindert vielmehr den Kampf gegen den Welthunger.

Es ist kein einziger Fall bestätigt worden, der einen durch Grüne Gentechnik auf die Menschen und die Umwelt verursachten Schaden dokumentiert.

 

Die konventionelle Pflanzenzüchtung stößt an Grenzen. Viele Züchtungsverfahren könnten mit gentechnischen Praktiken vereinfacht, verbessert oder verkürzt werden

Die Methode, fremde Gene in Pflanzen einzuführen, wurde in Belgien und Deutschland von Jeff Schell und Mitarbeitern in den 80er-Jahren entwickelt. Sie findet inzwischen weltweite Anwendung in der Züchtungsforschung. In den USA, Argentinien und Kanada sind bereits mehr als 80 Prozent der Kulturfläche mit auf diese Weise widerstandsfähig gemachten gentechnisch veränderten Nutzpflanzen (Mais, Sojabohne, Baumwolle) bewirtschaftet. Seit 1996 hat die Anbaufläche gentechnisch behandelter Kulturpflanzen weltweit um den Faktor zehn zugenommen, von zehn auf über 114 Millionen Hektar. Auch in Australien, Indien, Brasilien und China werden wegen ihrer guten Eigenschaften und Wirtschaftlichkeit immer mehr solche „GMO“-Kulturpflanzen angebaut.

In Anbausorten von Mais zum Beispiel wurde ein Gen eines Bodenbakteriums (Bacillus thuringensis) eingeführt, das das Bt-Toxin produziert, ein Protein, das sehr spezifisch für bestimmte Insekten, auch den Maiszünsler, giftig ist, aber für den Menschen, Säugetiere und andere Insekten nicht. Andere Pflanzen, besonders Sojabohnen, werden gentechnisch gegen ein Unkrautvernichtungsmittel resistent gemacht, sodass sie unbeschadet von Konkurrenten wachsen können. 95 Prozent des Sojaanbaus geschieht mit solchen Pflanzen.

Diese Verfahren sind in ihrer Anwendung auf den Ackerbau in Deutschland durch unser Gentechnikgesetz so erschwert, dass die Entwicklung und Nutzung solcher robusten Anbausorten weitgehend woanders auf der Welt stattfindet. Der Grund dafür ist eine tief sitzende Angst vor möglichen Gefahren einer neuartigen Technologie. Das war wohl vor 20 Jahren vernünftig, aber inzwischen weiß man so viel mehr, dass es an der Zeit ist, diese Einstellung gründlich zu revidieren.

Wovor haben wir Angst? Längst ist erwiesen, dass das Fremdgen, genau wie die Gene der Pflanzen selbst (jede Pflanze hat etwa 20?000 Gene), nicht vom menschlichen oder tierischen Körper eingebaut werden kann, sondern den Weg aller Nahrung, nämlich der Verdauung geht. Übertragung von Genen aus Nutzpflanzen in die Natur ist dauerhaft ganz unwahrscheinlich (und bisher nicht nachgewiesen), da die Nutzpflanzen ohne Schutz gar nicht in der Lage sind zu überleben. Im Falle von Bt-Toxin werden im ökologischen Landbau die Bakterien selbst versprüht und treffen damit nicht nur die Schädlinge selbst, sondern auch alle anderen Insekten.

Das Wissen und die Erfahrung mit den Technologien haben in den letzten zehn Jahren ungeheuer zugenommen. Es ist leicht zu sehen, dass die Dimension des Anbaus von genetisch modifizierten Kulturpflanzen (über 100 Million Hektar, das Dreifache der Fläche Deutschlands) weltweit sehr sichere Schlüsse über Verträglichkeit mit Ernährung und Umwelt zulassen. Alle Einwände konnten mit diesen im Ausland durchgeführten, freiwilligen, überdimensionierten Kontrollversuchen sorgfältig überprüft und entkräftet werden, zusätzlich zu zahlreichen Untersuchungen.

Es ist kein einziger Fall bestätigt worden, der einen durch Grüne Gentechnik auf die Menschen und die Umwelt verursachten Schaden dokumentiert. Dagegen bietet sie allein durch das Einsparen von Insektiziden große ökonomische und ökologische Vorteile. Diese machen die höheren Kosten des Saatgutes bei Weitem wett. Trotzdem werden bei uns ungestraft genehmigte Versuche zerstört und auf illegitime Weise jegliche Anstrengungen, hierzulande neue, zukunftsreiche Sorten zu entwickeln, blockiert. Kein Wunder, dass Saatgutfirmen ihre Forschung und Entwicklung mitsamt den daran gebundenen Arbeitsplätzen ins Ausland verlagert haben. Wir sind dabei, hervorragend ausgebildete Forscher statt hoch entwickelte Saatgüter und innovative Agrartechnologien zu exportieren.

In Deutschland ist noch nicht hinreichend akzeptiert, dass die Anwendung der Gentechnik in der Pflanzenzüchtung ein noch unausgeschöpftes Potenzial für den ökologischen Landbau, für verbesserten Umweltschutz, die Erhaltung der Artenvielfalt und für die Gesundheit bietet. Pflanzen, die resistent gegen Motten, Pilzbefall und Nematoden sind, müssen nicht gespritzt werden. Pflanzen, die besser an ungünstige Wachstumsbedingungen, Salzböden und Trockenheit angepasst sind, können verödetes Land wieder fruchtbar machen.

Pflanzen mit besserem Nährwert können erzeugt werden. Ein Beispiel ist der „goldene Reis“, der so verändert ist, dass er Vitamin?A in den Körnern enthält und dadurch die sehr verbreiteten Mangelkrankheiten, die bei proteinarmer Ernährung entstehen, vermindern kann. Auf diesem Sektor eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, die interessante Anwendungen erwarten lassen.

Andere Zukunftsvisionen befassen sich mit Pflanzen zur Energiegewinnung. Das ist in sofern problematisch, weil dafür wertvolle Kulturflächen den Nährpflanzen weggenommen oder gar Urwälder dem lukrativen Anbau von Energiepflanzen geopfert werden. In der Entwicklung befinden sich Verfahren, Pflanzen zu nutzen, die bei minimalen Ansprüchen ungeheure Mengen an Biomasse produzieren. Stauden, wie Chinaschilf, die also nicht ausgesät werden müssen, sondern jährlich neu aus einem Wurzelstock austreiben, werden erprobt. Schnell wachsende Bäume wie Pappeln und Weiden produzieren ebenfalls bei geringem Düngeranspruch auch in kälteren Gegenden sehr viel Biomasse. Diese Pflanzen, die unter Bedingungen wachsen, die den Nahrungslieferanten nicht gut genug sind, sind sehr attraktive „Sonnenkollektoren“.

Inzwischen ist die gesamte Erde „besetzt“. Nicht nur in Europa, auch in anderen Teilen der Welt gibt es praktisch keine „naturbelassenen“ Flächen mehr. Jeder Quadratmeter ist durch Menschenhand bestimmt, benutzt oder beeinflusst. Feuchtgebiete sind trockengelegt, Flüsse begradigt, Hänge terrassiert, um möglichst viel Land wirtschaftlich zu nutzen. Interessanterweise sind die heutigen Anbauflächen fast nicht überlappend mit jenen, in denen Ackerbau entstanden ist, in denen also die Kulturpflanzen beheimatet sind. Sie sind über die ganze Welt verbreitet, und es lässt sich wohl ohne Übertreibung sagen, dass auch in Deutschland fremde Pflanzen – Mais, Kartoffel, Weizen – überwiegen. In den Gegenden, die früher „Kornkammern“ waren, sind inzwischen durch übermäßige Beanspruchung die Böden verarmt, durch Abholzen Landschaften verkarstet. Nicht alles ist menschengemacht, aber bei der hohen Bevölkerungsdichte sind Naturkatastrophen besonders folgenschwer.

Es gibt auch kein Zurück – wir müssen versuchen, die Erde nachhaltig zu „bewirtschaften“ und auf diese Weise ein erträgliches Auskommen denen bieten, die bereits da sind. Sehr gründliche Überlegungen sind anzustellen, wie in Zukunft die Ernährung einigermaßen sichergestellt werden kann, ohne noch mehr naturbelassenes Land zu kultivieren. Es gilt, brach liegende Flächen wieder in „Kultur“ oder Natur zu nehmen, zu verhindern, dass noch mehr verkarstet und versteppt, und die fruchtbaren Gegenden so nachhaltig und effizient wie irgend möglich zu nutzen

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