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Unzufriedenheit bei Gesundheitssystem

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Mit dem Gesundheitssystem sind die Deutschen wenig zufrieden. Aus eigener Tasche wollen sie nichts zahlen und halten viel vom Prinzip "Zuckerbrot & Peitsche": Prävention finden sie nur gut, wenn sie weniger zahlen müssen.

Spitzenqualität, die wenig kostet und schnell und ohne Anstrengung erhältlich ist - die Erwartungen deutscher Konsumenten sind hoch und richten sich nicht nur auf das Angebot im Supermarkt, sondern auch auf die Leistungen des Gesundheitssystems. "Die Bevölkerung erwartet mehr Dienstleistung bei sinkenden Kosten", sagt Prof. Peter Borges, Partner im Bereich Gesundheitswesen bei Deloitte.

  Auf diesen Nenner lassen sich die aktuellen Ergebnisse einer internationalen Gesundheitsstudie bringen. In der Deloitte-Studie "2010 Global Survey of Health Care Consumers" wurden die Zufriedenheit und Einstellung von Bürgern zum Gesundheitssystem ihres Landes untersucht. Dazu befragten die Mitarbeiter in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA jeweils mindestens 1.000 Menschen.

Lange Wartezeiten, miese Qualität
Die Ergebnisse, die die Studienmitarbeiter zwischen Nordsee und Alpen sammelten, sprechen eine klare Sprache: Mit ihrem Gesundheitssystem ist die deutsche Bevölkerung allenfalls mäßig zufrieden. Lediglich 17 Prozent der Studienteilnehmer bewerteten es als "sehr gut" oder "gut"; 44 Prozent halten es dagegen für nicht ausreichend.

Zufrieden zeigen sich die Deutschen beispielsweise mit der Infrastruktur medizinischer Einrichtungen. Verbesserungsbedarf sehen sie aber vor allem bei Zugang und Wartezeiten für Behandlungen. 51 Prozent der Befragten wünschen sich außerdem eine höhere Qualität bei den Behandlungen und beim Service in Arztpraxen und Krankenhäusern. "Die Deutschen haben im internationalen Studienvergleich eine kritische Einstellung zur Qualität ihres Gesundheitssystems", resümiert Olaf Radunz von Deloitte.

Nichts aus eigener Tasche
Genauso kritisch sehen die Bürger hierzulande den Umbau des Gesundheitssystems und die damit verbundenen Kosten. Dass das System nicht unbegrenzt für die steigenden Gesundheitsausgaben aufkommen kann, ist den meisten Befragten bewusst. Dennoch wären nur 30 Prozent bereit, zusätzliche Leistungen aus privater Tasche zu finanzieren. Vielleicht hängt dieses magere Ergebnis auch mit dem mangelnden Verständnis zusammen, wie das komplexe Geflecht des Gesundheitswesens funktioniert: Weniger als ein Viertel der Teilnehmer scheint hier einen guten Durchblick zu besitzen.

Ohne Belohnung keine Motivation
Vergleichbar gering ist die Bereitschaft der Bundesbürger, selbst etwas für ihre Gesundheit zu tun. Magere 14 Prozent nehmen an einem präventiven Gesundheits- oder Wellness-Programm teil. Mehr als die Hälfte würde sich dazu allerdings bereit erklären, wenn es kostenlos wäre oder sie dafür beispielsweise weniger Krankenversicherung zahlen müssten.

Auch die chronisch Kranken unter den befragten Deutschen scheinen viel vom Motto "Zuckerbrot & Peitsche" zu halten: Fast 60 Prozent der Teilnehmer - und damit mehr als in jedem anderen untersuchten Land - gaben an, an einer oder mehreren chronischen Erkrankungen zu leiden. Von diesen besuchte jedoch nur knapp ein Viertel im Jahr 2009 ein spezielles Behandlungsprogramm für chronisch Kranke (Disease Management Programm). Auch bei ihnen würde die Bereitschaft zur Teilnahme in die Höhe schnellen - und zwar um beachtliche 84 Prozent -, wenn man die Patienten mit finanziellen Anreizen oder Prämienabschlägen locken würde.

Internet im Zwiespalt
Das Thema Internet war ebenfalls ein wichtiger Punkt in der Deloitte-Studie. 40 Prozent der deutschen Teilnehmer interessieren sich demnach für internetbasierte Systeme im Bereich Gesundheit. Dazu gehören zum Beispiel die elektronische Patientenakte, die Verwaltung von Arztterminen und Medikamentenbestellungen über das Web.

Mehr als die Hälfte der Befragten befürwortet zudem telemedizinische Möglichkeiten zur Kommunikation mit ihrem Arzt - etwa nach dem Prinzip: Der Patient gibt seine täglich gemessenen Blutdruckwerte ein, der Arzt kann diese von der Praxis aus einsehen und eventuell Therapieänderungen vorschlagen. Steigendes Interesse verzeichnet die Studie auch für gesundheitsbezogene Informationen im Netz sowie Online-Hilfsmittel, mit denen sich zum Beispiel Preis und Qualität von Arzneimitteln und Dienstleistungen vergleichen und bewerten lassen.

Doch so groß das (theoretische) Interesse in deutschen Landen auch für Internet & Gesundheit ist - genutzt werden gesundheitsbezogene Internetdienste bislang noch wenig. Eine mögliche Erklärung dafür findet sich ebenfalls in den Studienergebnissen: 52 Prozent der Befragten sorgen sich um den Schutz ihrer Daten.

Deutschland auf hinteren Rängen
Im Vergleich mit den Ergebnissen in den anderen Ländern belegt Deutschland insgesamt die hinteren Ränge, wenn es um den persönlichen Gesundheitszustand, die Systemzufriedenheit und Offenheit für neue Services geht. "Die Deutschen müssen mehr auf ihren Lebensstil achten, Behandlungspläne einhalten und aktiver an Prävention sowie Behandlungsvor- und -nachsorge beteiligt werden," meint Borges. Das mache seiner Ansicht nach einen verändertes Rollenverständnis notwendig: "Das deutsche Gesundheitswesen darf die Bürger nicht länger als Patienten sehen, sondern muss sie vielmehr als Kunden wahrnehmen" - und zwar als offensichtlich sehr anspruchsvolle.

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