"Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles", prophezeite einst Goethe. Die Realität gibt ihm Recht: Anleger drängen ins Gold. Die anhaltende Schuldenkrise trieb den Preis des Edelmetalls am Mittwoch auf einen neuen Höchststand. Eine Feinunze Gold kostete im Tagesverlauf zeitweise knapp über 1.245 Dollar - so viel wie noch nie. Der bisherige Rekord hatte Anfang Dezember 2009 bei 1.226,56 Dollar pro Unze gelegen.
In Euro gerechnet eilt das gelbe Edelmetall seit Wochen von einem Rekord zum nächsten. Auch in anderen Währungen wie zum Beispiel dem stabilen Schweizer Franken erreichte das Gold neue Höchststände.
Die Angst vor einer Schuldenblase und einer möglicherweise daraus resultierenden Geldentwertung treibt die Nachfrage nach Gold, meinen Experten. Denn das Edelmetall gilt als "sicherer Hafen" - als krisenfeste und inflationsgeschützte Anlage, da es von einer Geldentwertung nicht betroffen ist.
Trotz des 750-Milliarden Euro schweren Rettungsschirms für finanzschwache Euro-Länder bestünde weiter die Befürchtung, dass nach Griechenland weitere Euro-Staaten ihre Schulden nicht mehr begleichen könnten, erklärte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg den Höhenflug des Goldpreises.
Auch der "Sündenfall" der Europäischen Zentralbank (EZB), die den europäischen Rettungsschirm durch den Kauf von Staatsanleihen begleitet und ihre Unabhängigkeit aufs Spiel setzt, wird als Treiber des Goldpreises gesehen. Experten befürchten eine Inflationsspirale. Schon die Gerüchte über eine Intervention der EZB am Kapitalmarkt hatten den Goldpreis seit Mitte April steigen lassen - zumindest in Euro gerechnet.
Die Nachfrage nach Gold dürfte weiter steigen. Unicredit-Experte Jochen Hitzfeld rechnet zum Jahresende mit einem Goldpreis von 1.450 Dollar je Feinunze. Nicht nur die Schuldenkrise in Europa, sondern auch die hohe Staatsverschuldung in anderen Wirtschaftsräumen wie beispielsweise den USA dürfte die Anleger weiter in das Gold drängen. "Gold dürfte weiter gefragt bleiben", prophezeit die Commerzbank.
Ein weiterer Indikator, der für steigende Goldpreise spricht, ist die Rekord-Nachfrage nach Goldmünzen und -barren. Laut den Experten von SEB Commodity Research hat die Nachfrage bei Privatkunden wieder das Niveau vom Spätherbst 2008 erreicht, als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erlebte. In den vergangenen zwei Wochen sei mehr Gold verkauft worden als im gesamten ersten Quartal, teilte die österreichische Gold-Münzprägestätte mit. Besonders beliebt sei der goldene "Wiener Philharmoniker", eine der meistverkauften Münzen der Welt.
Im Sog des hohen Goldpreises stieg auch der Silberpreis am Mittwoch auf ein 27-Monatshoch. Er kostete 19,60 Dollar je Feinunze.



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